Vergilbte Seiten

Zwei Personen in einer sanft beleuchteten Wohnungsküche mit beschlagenen Fenstern und einer warmen, stillen Atmosphäre.
Eine stille Rückkehr zu etwas, das man fast noch erinnert.

Als sie die Tür aufstieß, schlug ihr die warme Luft der Küche entgegen, schwer vom Geruch verbrannten Reises und von etwas anderem — einem Duft, der sie in eine Zeit zurückversetzte, in der das Leben noch weniger kompliziert gewesen war. Sie hatte erwartet, sich der Leere der Wohnung allein zu stellen; sie hatten verabredet, sich hier zu treffen, um über den Besuch des Vermieters zu sprechen, der für zwölf Uhr angesetzt war. Ihre Augen gewöhnten sich an das matte Licht, und sie sah ihn an der Anrichte stehen, ein feuchtes Geschirrtuch gegen seinen Daumen gedrückt. Die Fenster waren vom Junihitze beschlagen, und im Hintergrund spielte leise das Radio, eine vertraute Melodie, die in dieser angespannten Atmosphäre fehl am Platz wirkte.

Er blickte auf, seine Augen fanden die ihren, und für einen Moment sahen sie einander nur an. Die Luft war schwer von unausgesprochenen Worten, und das einzige Geräusch war das leise Knistern des Radios und das Knarren der alten Holzdielen unter ihren Füßen. Eine Welle von Gefühlen überkam sie: Überraschung, Zorn und ein Hauch von Nostalgie.

Ich hätte nicht erwartet, dass du schon hier bist, dachte sie, doch ihre Stimme blieb ihr im Hals stecken. Er dagegen schien seine Stimme gefunden zu haben; seine Worte strömten in vertrautem Tonfall hervor.

»Ich habe angefangen, etwas zu Mittag zu machen«, sagte er und nickte zum Herd hinüber, »aber ich habe mich ablenken lassen.« Er deutete auf den Karton auf der Anrichte. »Ich habe diese Bücher auf dem Dachboden gefunden und dachte, du willst sie vielleicht zurückhaben.« Er nickte wieder zum Karton, und sie sah, dass er alt war, der Karton aus Pappe abgenutzt und verblasst.

Doch ihre Aufmerksamkeit wurde vom Tisch angezogen, auf dem eines der Bücher offen lag, die Seiten um ein Foto gebogen. Ein Foto, von dem sie dachte, es sei verloren. Ihr Herz machte einen Sprung, als sie einen Stich von Traurigkeit und Sehnsucht verspürte. Es war ein altes Bild, aufgenommen an einem Sommernachmittag, genau wie diesem. Sie saßen auf einer Decke, lachten und hielten einander fest, ihre Gesichter voller Freude und Liebe.


Sie ging zum Tisch hinüber, den Blick fest auf das Foto gerichtet. Er folgte ihr, seine Bewegungen leise, als wolle er die zerbrechliche Stimmung nicht stören. Sie streckte die Hand aus und berührte die Seite, spürte die Struktur des Papiers und den erhöhten Rand des Fotos.

»Wo hast du das gefunden?«, fragte sie, ihre Stimme kaum lauter als ein Flüstern. Er zögerte, den Blick auf den Boden gesenkt, bevor er ihr wieder in die Augen sah.

»Ich habe es zwischen den Seiten dieses Buches gefunden«, sagte er leise und sanft. »Ich wollte nicht ... Ich habe es nur gesehen, und ich dachte, du möchtest es vielleicht zurückhaben.«

Sie blickte zu ihm auf, suchte in seinem Gesicht nach Antworten. Warum war er wirklich hier, noch vor ihrem vereinbarten Treffen? Doch sie drängte nicht weiter darauf, noch nicht.

Stattdessen wandte sie sich der Küche zu und nahm die vertrauten Anblicke und Gerüche in sich auf. Die alten Holzlöffel, die abgesplitterten Keramikteller, die kaffeemarmorierte Arbeitsplatte — alles schien eine Erinnerung in sich zu tragen, eine Geschichte ihres gemeinsamen Lebens.

Wir haben früher zusammen das Abendessen gekocht, lachend und streitend über das beste Rezept. Wir saßen früher an diesem Tisch, teilten Geschichten und Träume, unsere Hände berührten sich, unsere Blicke fanden einander. Wir waren glücklich, oder jedenfalls dachten wir das.

Aber das Leben hatte andere Pläne, und sie waren auseinandergetrieben, ihre Liebe löste sich langsam auf wie die Fäden eines alten Pullovers. Und nun standen sie hier, in dieser Küche, während der Geruch von verbranntem Reis und das Radio die Luft erfüllten.


Die Stille zwischen ihnen wurde dichter, schwerer, bis er wieder das Wort ergriff.

»Der Vermieter wird bald hier sein«, sagte er, seine Stimme fest, aber mild. »Wir sollten wohl besprechen, was wir mit der Wohnung machen, bevor er kommt.«

Sie nickte, ihre Gedanken rasten. Die Wohnung. Ihr Zuhause, ihr Zufluchtsort, ihr Gefängnis. Sie hatten in diesen Wänden so viel geteilt, und nun mussten sie offenbar eine Entscheidung über ihre Zukunft treffen.

»Ich weiß nicht«, sagte sie zögernd. »Ich habe noch nicht darüber nachgedacht.«

Er nickte, Verständnis in den Augen. »Ich weiß. Ich auch nicht. Aber wir können es nicht ewig vermeiden. Wir müssen entscheiden, ob wir verkaufen oder nicht.«

Sie sah sich in der Küche um, nahm die vertrauten Anblicke und Gerüche in sich auf. Konnte sie diesen Ort wirklich loslassen? Er war ein Teil von ihr, ein Teil von ihnen, ein Teil ihrer Geschichte.

Während sie dort standen, das Radio leise im Hintergrund, die beschlagenen Fenster langsam klarer werdend, spürte sie ein Gefühl von Unsicherheit. Was würde als Nächstes geschehen? Würden sie in der Lage sein, eine Entscheidung zu treffen, oder würden sie sich in den Erinnerungen und Gefühlen verlieren, die diese Küche erfüllten?

Die Uhr an der Wand tickte unaufhörlich, das Geräusch hallte durch den Raum und erinnerte sie daran, dass die Zeit davonlief. Es näherte sich zwölf Uhr, und mit ihr der Vermieter und der potenzielle Käufer. Sie mussten eine Entscheidung treffen, und zwar bald.

Doch als sie ihn ansah, den Mann, der einst ihr Partner gewesen war, ihre Liebe, ihr Alles, spürte sie einen Funken Hoffnung. Vielleicht, nur vielleicht würden sie einen Weg finden, das hinzubekommen, eine Lösung, die es ihnen erlaubte, an der Vergangenheit festzuhalten und dennoch der Zukunft entgegenzugehen.

Und so standen sie da, in der Küche, umgeben von den Erinnerungen an ihr gemeinsames Leben, während der Geruch von verbranntem Reis und das Geräusch des Radios die Luft erfüllten, und begannen zu reden, zu besprechen, zu entscheiden. Die Zukunft war ungewiss, aber eines war klar: Sie würden ihr gemeinsam begegnen, zumindest vorerst.

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